Sonntag, 2. November 2014

Guatemala: in und um Antigua - Guat's Up!

Während unserer Arbeit bei Camino Seguro wohnten wir in Antigua, einer (Klein-) Stadt im zentralen Hochland Guatemalas (ca. 1'500m). Antigua war von 1543 bis 1773 die Hauptstadt der spanischen Kolonien in Zentralamerika, seit 1979 gehört die Stadt zum Weltkulturerbe.

Volcán Agua


Volcanes Fuego & Acatenango
Aufgrund des Erhalts des kolonialen Stadtbildes dürfen Restaurants, Bars und Einkaufsläden keine grossen Werbungen an der Fassade anbringen. Dies kann es durchaus schwierig machen, die gesuchten Lokale zu finden... Wer würde beispielsweise ahnen, dass sich in der Stadt ein Mc Donald's (und was für ein schöner!) versteckt, wenn sich nirgends die goldenen Bögen zeigen? 


Aber nicht nur Mc Donald's... In Antigua findet man wirklich alles: Wir konnten sogar ein Fondue essen! :-)


Bei einem Wochenendausflug besuchten wir den Markt in Chichicastenango. Der auf den Treppen der Kirche Santo Tomás stattfindende Markt - der grösste in Mittelamerika - zieht neben den einheimischen Händlern und Käufern natürlich auch viele Touristen an. Dennoch gingen wir "Gringos" in den Massen ziemlich unter...







Anschliessend gingen wir mit dem Bus weiter nach Panajachel und nahmen von dort das Boot über den Lago Atitlán nach Santiago.


Volcán San Pedro

Der Besuch der Maya-Stadt Santiago hat uns sehr gefallen, da sie für uns noch das authentische Guatemala verkörperte, frei von Tourismus.







Antigua ist umgeben von drei grossen Vulkanen: Agua, Fuego und Acatenango. Und am letzten Oktober-Wochenende bestiegen wir genau diesen letzten Vulkan! Acatenango ist der dritthöchste Vulkan Zentralamerikas. Der Aufstieg war anstrengend (wird die Luft auf 3'976m doch ziemlich dünn...), aber es hat sich sowas von gelohnt!

Wir starteten bei ca. 2'400m in der Vegetationszone "Farmlands", umgeben von Mais- und Favabohnenfeldern...



...marschierten durch den "Cloud Forest"... (Eigentlich wie ein Regenwald, nur kommt die Feuchtigkeit nicht direkt vom Regen, sondern daher, dass dieser Wald mitten in den Wolken liegt).





...und durch die "High Alpine Zone"...




...wo wir nach 6,5 Stunden bei unserem Basecamp auf 3'600m ankamen, die Zelte aufschlugen und den benachbarten Vulkan Fuego beobachteten und lauschten - ein hammer Erlebnis, den Vulkan rumoren zu hören und ihn Lava spucken zu sehen!



Und so sah dies dann nachts aus (danke Matthias für das super Foto!)


Um 4 Uhr morgens ging es dann weiter um den Gipfel/Krater zu erklimmen... Mitten in der Nacht, mit Taschenlampen bewaffnet, machten wir uns auf durch die vierte Vegetationszone "Volcanic". Der Aufstieg war echt heftig! Aber was für eine Aussicht! Wow! Über den Wolken, wie aus einem Flugzeug! Und dann natürlich Fuego, der echt eine super Show für uns hingeschmissen hat - Wahnsinn!

Blick auf Volcán Agua
Volcán Fuego
Volcán Atitlán im Hintergrund

Guatemala ist ein unbeschreibliches Land! Dank unserer Erfahrung bei Camino Seguro, konnten wir dies nun erst recht schätzen und sind extrem dankbar für den Luxus, den wir haben!

Unterdessen sind wir bereits in Nicaragua und geniessen eine Woche Strandurlaub auf Corn Island - eben, was für ein Luxus!

Mike & Ramona

Sonntag, 19. Oktober 2014

Guatemala: Guatemala City - Camino Seguro

Seit anfangs Oktober sind wir jetzt schon in Guatemala und arbeiten bei Camino Seguro. In diesem Blogeintrag geht es um das Projekt und um unsere Arbeit darin; unsere Erlebnisse in Antigua und unsere Reisen in Guatemala werden wir im nächsten Blogeintrag berichten...

Camino Seguro ist ein Projekt in Guatemala City, welches den Kindern aus der Umgebung der Müllhalde Zugang zum Bildungssystem ermöglicht und damit eine Perspektive und einen möglichen Weg aus der Armut schafft.

Wir besichtigten die Müllhalde mit dem Visitors Coordinator von Camino Seguro - ein sehr eindrückliches, berührendes, trauriges und erschütterndes Erlebnis! Die Müllhalde ist der Arbeitsort der Community - wir haben dem Geschehen aus Sicherheitsgründen von einem Friedhof aus zugesehen, der oberhalb der Deponie liegt.




Die Müllhalde in Zone 3 von Guatemala City ist die grösste von ganz Guatemala, 1/3 des Abfalls des Landes werden hierher gebracht. 900 gelbe LKWs bringen täglich 1‘500 Tonnen Abfall auf die Mülldeponie. Die Arbeiterinnen und Arbeiter (80% sind alleinerziehende Mütter!) recyceln den Abfall mit ihren blossen Händen. Sämtlicher Abfall, ausser jener von Krankenhäusern, wird hier deponiert, das heisst beispielsweise auch Chemieabfälle (Bayer, Merck und andere Gross-Unternehmen sind in unmittelbarer Nähe…). Der Anblick war schrecklich. Die Lastwagen fahren ein, die Arbeiterinnen und Arbeiter halten ihre Hand an das fahrende Fahrzeug um ihr Anrecht auf den Abfall zu reservieren und sobald der LKW-Fahrer den Abfall ablädt, stürzen sie sich darauf und suchen die recycelbaren Güter heraus. Die Bilder der Mülldeponie wurden uns von Camino Seguro zur Verfügung gestellt (siehe auch: boston.com).



Die Arbeiterinnen und Arbeiter recyceln 30% des gesamten Abfalls – das heisst 30% tragen sie wieder von der Mülldeponie weg, meistens zu ihnen nach Hause um den Abfall zu sortieren. Die Menschen leben wortwörtlich in Abfall.





Die Arbeiterinnen und Arbeiter verdienen an einem üblichen 12h Arbeitstag 30 bis 40 Quetzales (dies entspricht ca. 3.75 SFr., bzw. 3 Euro). Im Schnitt haben die alleinerziehenden Mütter 5 Kinder. Wenn man von drei Mahlzeiten am Tag ausgeht, bedeutet dies also 2 Quetzales pro Person und Mahlzeit – damit kann man sich eine Tortilla (Fladenbrot, Durchmesser ca. 10cm) kaufen. Eine 1l Flasche Wasser im Supermarkt kostet 4 Quetzales.

Den Kindern genau dieser Community möchte Camino Seguro helfen, indem der Zyklus der Armut durch Bildung durchbrochen wird. Bis vor Kurzem hat Camino Seguro die Kinder mit Stipendien für die öffentliche Schule unterstützt, hat ihnen (und ihren Familien) Essen und Trinken geboten, sowie Kleidung und Unterstützung bei Hausaufgaben. Camino Seguro ist nun dabei das System zu ändern, um als offizielle Schule fungieren zu können. Diesen Status haben sie für das erste und das zweite Schuljahr bereits erreicht. Jedes Schuljahr soll nun eine weitere Stufe hinzukommen. 
Für die 2 bis 6-Jährigen bietet Camino Seguro die Escuelita (siehe folgende Bilder). Auch für die Mütter werden Kurse geboten, damit sie ihre Schulbildung absolvieren können (siehe hierzu auch den sehr empfehlenswerten Film „Manos de Madre“). Häufig arbeiten die Mütter nach abgeschlossener Ausbildung in der Näherei von Camino Seguro oder stellen Schmuck zum Verkauf her. Auch die Väter zeigen nun vermehrt Interesse und absolvieren beispielsweise Englisch- oder Computerkurse.




Und genau dieses Projekt unterstützen wir seit anfangs Oktober. Wir nehmen täglich um 07:30 den alten Camino Seguro US-Schulbus (aufgrund der hohen Kriminalitätsrate ein Privatbus) und fahren nach Guate zum Projekt. Die Gebäude befinden sich in unmittelbarer Nähe der Garbage Dump - täglich kommen wir daran vorbei, wenn wir vom Hauptgebäude zur Escuelita fahren.


Morgens arbeiten wir zusammen mit den Erstklässern - helfen den Kindern wenn sie Mühe bei den Übungen haben, aber schenken ihnen hauptsächlich Aufmerksamkeit und ganz viel Liebe. Man spürt richtig, wie ausgehungert die Kinder sind und es fühlt sich extrem schön an, ihnen diese Wärme und Nähe geben zu können. Am Nachmittag arbeitet Mike mit den Drittklässern und ich unterstütze die Volunteer Koordinatorin bei administrativen Belangen. Zudem planen wir ein Training bezüglich Feuerprävention.

Es ist erstaunlich, wie irrelevant Worte sind. Wir können beide mässig spanisch (estamos estudiando! ;-) ), doch den Kindern scheint es völlig zu reichen, dass wir mit offenen Herzen auf sie zugehen - eine superschöne Erfahrung!






Abends um Viertel vor fünf fahren wir jeweils ziemlich erschöpft wieder zurück nach Antigua, wo wir dann den Abend in ruhiger Atmosphäre ausklingen lassen. Ganz anders als die Kinder, die am Abend wieder zurück in ihre Realität gehen...



Esperanza, Educación, Oportunidad
Hoffnung, Bildung, Chance